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  • Wenn der Melder geht

    Wenn der Melder geht

    Christi Linden

    Frühschicht. Kaffee. Augen schwer.

    Acht Stunden rum, der Kopf ist leer.

    Jacke aus. Endlich daheim.

    Dann geht der Melder – kann nicht sein.

    Schuhe an. Schlüssel. Tür fällt zu.

    Keine Pause. Keine Ruh.

    Einer wählt die Eins-eins-zwei.

    Und plötzlich ist dein Abend vorbei.

    Feuer. Unfall. Rauch. Verkehr.

    Manchmal leicht und manchmal schwer.

    Nacht wird kurz. Die Bilder bleiben.

    Morgens heißt es: weiter treiben.

    Freiwillig – so nennt man das.

    Doch freiwillig heißt nicht ohne Last.

    Wenn der Melder geht,

    bleibt unser Alltag steh'n.

    Arbeit, Familie, freie Zeit,

    müssen wieder hintensteh'n. Hilfe ist nicht selbstverständlich,

    auch wenn es oft so scheint.

    Denn hinter jedem Einsatz steht ein Mensch,

    der etwas giebt.

    Etwaas giiebt.

    Übung. Lehrgang. Noch ein Dienst.

    Zeit, die irgendwo sonst fehlt.

    Neue Regeln. Neue Nachweise.

    Mehr verlangt. Die Zeit bleibt gleich.

    Tagsüber Job. Abends Wehr.

    Wochenende hinterher. Familie wartet.

    Freunde auch. Und irgendwann ist alles aufgebraucht.

    Dann fragt mann: Wo sind die Leute?

    Warum kommt kein Nachwuchs heute?

    Vielleicht weil „freiwillig“ oft heißt: Sei verfügbar.

    Jederzeit. Und wenn der Chef schon wieder fragt,

    warum man früher Feierabend macht,

    geht irgendwann nicht nur die Zeit.

    Dann geht ein Mensch,

    weil’s nicht mehr geeht.

    Weil´s nicht mehr geeeeht.

    Wenn der Melder geht,

    bleibt unser Alltag steh'n.

    Arbeit, Familie, freie Zeit,

    müssen wieder hintensteh'n. Hilfe ist nicht selbstverständlich,

    auch wenn es oft so scheint.

    Denn hinter jedem Einsatz steht ein Mensch,

    der Grenzen kennt. Grenzen keennt...

    Sonntag gibt’s Dank.

    Montag wird gespart. Große Worte.

    Kleine Mittel.

    Man nennt uns unverzichtbar,

    doch behandelt uns wie einen Posten.

    Freiwillig heißt nicht grenzenlos.

    Wer will, dass morgen jemand kommt,

    muss heute dafür sorgen,

    dass jemand bleibt.

    Der Melder geht. Ein Platz bleibt leer.

    Dann noch einer.

    Und irgendwer fragt:

    Warum kommt keiner mehr?

    Vielleicht hätte man früher fragen sollen:

    Warum ... gehen sie?

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