

Wir sind losgefahren, raus aus dem Grau,
mit viel zu viel Gepäck und zu wenig Plan.
Drei Menschen im Jeep,
die Straße vor uns,
und irgendwo hinterm Brenner fing das Vergessen an.
Der Alltag blieb irgendwo zurück,
mit seinen Fragen, seinem Lärm.
Hier riecht die Luft nach Salz und Pinien,
und für ein paar Tage ist alles andere fern.
Und wenn der Abend langsam fällt,
und das Meer die Sonne hält,
dann denk ich mir ganz leise:
Lass uns noch ein bisschen bleiben,
noch ein bisschen hier verlieren.
Keine Uhren, keine Sorgen,
nur drei Herzen, die sich spüren.
Lass die Wellen für uns reden,
lass den Wind die Zeit vertreiben.
Wir müssen irgendwann zurück – doch heute nicht.
Heute lass uns bleiben.
Wir suchten einen Strand und fanden keinen Platz,
also fuhren wir einfach weiter.
Steine statt Liegestühle, Möwen über uns – und plötzlich war der Umweg
viel schöner als der Plan.
Ich hob einen kleinen Krebs aus dem Wasser,
nur für drei Sekunden vielleicht.
Dann hat er mich am Mittelfinger erwischt – vier Millimeter Erinnerung,
die bis heute reicht.
Und wir haben gelacht.
Lass uns noch ein bisschen bleiben,
noch ein bisschen hier verlieren.
Keine Uhren, keine Sorgen,
nur drei Herzen, die sich spüren.
Lass die Wellen für uns reden,
lass den Wind die Zeit vertreiben.
Wir müssen irgendwann zurück – doch heute nicht.
Heute lass uns bleiben.
Ravenna lag im warmen Licht,
alte Mauern, Mosaike aus Gold.
Wir aßen irgendwo vor Sant’Apollinare,
und später wurde es still.
Comacchio kam, Chioggia kam,
und Ferragosto mitten in Porto Viro.
Musik aus den Siebzigern,
Achtzigern, Neunzigern – und wir tanzten einfach mit.
Eine Gottesanbeterin kroch über unsere Hände,
als hätte sie auch Urlaub hier.
Und irgendwann um eins nachts waren wir wieder zuhause – müde,
aber glücklich zu dritt.
Tiziano schreibt seinen Freunden,
erzählt von dem, was heute war.
Ildiko lacht und schaut mich an,
und für einen Augenblick ist alles wieder wunderbar.
Barina und Tara liegen neben uns,
endlich sind wir alle zusammen.
Keiner muss irgendwohin, keiner muss irgendetwas schaffen.
Vielleicht ist genau das Freiheit.
Lass uns noch ein bisschen bleiben,
noch ein bisschen hier verlieren.
Zwischen Po und Adriaküste,
zwischen Träumen und Erinnern.
Lass die Wellen für uns reden,
lass die Nacht die Sorgen treiben.
Wir wissen, dass wir heimwärts müssen – doch noch nicht.
Noch ein bisschen bleiben.
Noch ein bisschen bleiben.
Vielleicht nehmen wir nicht viel mit,
nur Sand in unseren Schu’n,
Salz auf unserer Haut
und diese Bilder in uns drin.
Drei Menschen. Ein Sommer.
Ein paar Tage ohne gestern.
Und irgendwo rauscht das Meer …