

Die Tagesschau verblasst im Abendlicht
Michel sitzt am Tisch und spricht sie nicht
Die Zeitung voll von Phrasen und von Streit
Er spueret den Riss der durch die Strassen schreit Er schluckt das
Wort herunter das er brennt weil er die Schilder an den Zaeunen
kennt
Ein falscher Satz ein falsches falsches Wort und deine Meinung ist dein
Urteil dort
Er sieht den Laden an der Ecke schrein die Zuversicht zieht aus
den Fenstern aus
Er sorgt sich um die Kinder um das Land doch haelt die
Lippen fest zusammengepresst Wer Fragen stellt steht morgen am Schafott im schnellen
Richter-Spott
Er ist nicht blind er ist kein lauter Geist nur einer den
das Schweigen langsam zerreisst
Und Michel schweigt weil er nicht hassen will
das Land wird laut doch seine Angst bleibt still In welche Schublade
steckst du mein Herz wenn meine Sorge aussieht wie ein Schmerz Ein
stummes Land gefangen im Verdacht wo man aus Zweifel eine Waffe macht
Oh Michel schweigt der Blick ist schwer wie Blei
wer leise trauert ist schon nicht mehr frei
Beim Baecker schaut er den Bekannten an
man redet nur noch ueber das was man noch kann
Das Wetter ist als Thema ziemlich sicher jetzt
bevor sich wieder wer im Kern verletzt
Die Heimat wird ihm fremder jeden Tag weil keiner mehr den Zwischenraum
ertraegt
Man muss jetzt waehlen Schwarz oder das Weiss und dieses Schweigen hat
verdammt noch mal seinen Preis
Es brennt im Kopf die Faust bleibt in der Tasche drin Wo
fuehrt das alles ohne Bruecken hin Er liebt dies Land doch darf
es nicht mehr sagen
ohne die falsche Flagge
heimzutragen
Und Michel schweigt weil er nicht hassen will das Land wird laut
doch seine Angst bleibt still In welche Schublade steckst du mein Herz
wenn meine Sorge aussieht wie ein Schmerz Ein stummes Land gefangen im
Verdacht wo man aus Zweifel eine Waffe macht Oh Michel schweigt der
Blick ist schwer wie Blei wer leise trauert ist schon nicht mehr
frei
Nur ein stummes Land
Der Vorhang faellt
Und Michel schweigt